How does human flesh taste actually? (German)

from ALL YOU CAN EAT Issue 2: Fremd (Foreign)
Text by Tobias Müller | Illustration by Tibo Exenberger/carolineseidler.com

 
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"Dear Prof. Bowdler, I am an Austrian food writer and one of the publishers of All You Can Eat food magazine. That is a bit of an odd introduction, admittedly, for some questions about cannibalism, but our next issue will be the ‘Foreign Issue’ and I am working on a story about cannibalism in (culinary) history. It would be fantastic if you could send me some answers so I can quote you in my text.“

 

Kulinarik-Journalismus und Kannibalismus finden selten zusammen, dabei hat das Menschenessen eine lange, widersprüchliche, faszinierende Geschichte. Einerseits ranken sich darum unzählige Mythen und Geschichten, von Berichten spanischer Inquisitoren bis Hannibal Lector. Andererseits dürften tatsächlich schon sehr frühe Ackerbauern im Neolithikum andere Menschen gegessen haben, aus Mittelamerika gibt es Beweise für Menschenopfer, die vor dem Verzehr mit Chili gewürzt wurden, von den Kreuzzügen gibt es Berichte über ihre Feinde schmausende Kreuzfahrer. Die Idee, Menschen kulinarisch zu verwerten, war für Europäer so abstoßend, dass sie diese Praxis traditionell nur Leuten in sehr weit entfernten Ländern oder auf noch weiter entfernten Inseln zugeschrieben haben. Zur gleichen Zeit aber – und weit bis ins 19. Jahrhundert – war es in Europa üblich, Teile von Menschen, etwa das frische Blut Hingerichteter, als Medizin zu konsumieren. Neben Romanautoren, Filmemachern und Journalisten beschäftigen sich auch Ethnologen, Archäologen und Kulturwissenschaftler mit Kannibalismus. 2013 fand im Manchester Museum in England daher endlich die erste wissenschaftliche Kannibalismus-Konferenz statt. Ich habe den drei meiner Meinung nach interessantesten Leuten, die dort vorgetragen haben, oben zitierte E-Mail geschickt, mit jeweils anderen Fragen, je nach Fachgebiet. Alle waren so nett, ausführlich zu antworten. Sarah Bowdler war die Erste, die mir zurückgeschrieben hat. Sie ist emeritierte Professorin für Archäologie an der Western Australian University und hat lange dazu geforscht, wo, wann und in welcher Form Kannibalismus tatsächlich wissenschaftlich einwandfrei nachweis- und belegbar ist. Hier sind meine Fragen und Sarahs Antworten.


Unterscheiden Wissenschaftler zwischen verschiedenen Arten von Kannibalismus?

Ja. Ich persönlich halte folgende Einteilung für sinnvoll: Begräbnis-Kannibalismus als Teil eines kulturellen Toten- und Beerdigungs-Rituals; gewalttätiger Kannibalismus, bei dem Menschen in einem kulturell akzeptierten Ritual getötet und dann gegessen werden, teil-weise, aber nicht immer als Bestrafung; medizinischer Kannibalismus, der in westlichen Gesellschaften im Mittelalter und der Renaissance üblich war, etwa Medizin aus Mumienstaub; Überlebens-Kannibalismus, also wenn Leute andere Menschen in Extremsituationen essen, um nicht zu verhungern (etwa die Franklin-Expedition, die Donner-Party im frühen Kalifornien oder das Fußball-Team nach dem Flugzeugabsturz in den Anden); und dann natürlich das, was ich als Spinner-Kannibalismus bezeichnen würde – Mörder wie etwa der Kannibale von Rothenfeld, der sein Opfer einvernehmlich getötet und dann verspeist hat.


Wo gab es die jeweiligen Formen?

Begräbnis-Kannibalismus: Sich die Toten einzuverleiben als ein Zeichen der Trauer und Anteilnahme, nimmt viele Formen an, auch die symbolische Version im Katholizismus, und kommt überall auf der Welt vor. Sie ist gewaltfrei und es kann bloß um einen winzigen Teil des Körpers gehen. Das berüchtigtste Beispiel sind die Fore im Hochland von Papua- Neuguinea und die Kuru-Krankheit. (Anmerkung: Ihre Toten wurden traditionell gekocht und von den Angehörigen verspeist, das Hirn wurde von den Frauen und Kindern gegessen. In den 1960er Jahren untersuchten Forscher eine seltene Nervenkrankheit, Kuru, die unter den Fore grassierte, und führten sie auf dieses Ritual zurück.) Gewalttätiger Kannibalismus: Zum Beispiel auf den Fidschi-Inseln. Marshall Sahlins hat viele traditionelle Geschichten veröffentlicht, die keinen Zweifel lassen, dass Kannibalismus kulturell akzeptiert war – normalerweise aß die Oberschicht Mitglieder der Unterschicht oder die Häuptlinge ihre Untertanen. Es gibt verlässliche historische Berichte aus Neuseeland, in Polynesien hingegen war es nicht üblich: Captain Cooks tahitischer Begleiter Tupaia war entsetzt, als er die Praxis bei den Maori sah. Historisch gibt es meiner Meinung nach keinen Zweifel, dass es diese Art von Kannibalismus bei den Azteken in Mexiko gab. Und es gibt prähistorische Beispiele, z. B. von der neolithischen Ausgrabungsstätte in Herxheim in Deutschland, wo örtliche Bauern nicht Ortsansässige gegessen haben, vielleicht nomadische Jäger und Sammler.


Es gibt archäologische Beweise für Kannibalismus in prähistorischen Zeiten – war es üblich für frühe Menschen, andere Menschen zu essen?

Meiner Meinung nach überhaupt nicht. Die bisherigen Funde zeigen, dass Jäger- und Sammler-Gesellschaften keinen Kannibalismus praktizierten. Die Praxis scheint erst mit sesshaften, komplexeren Bauern-Gesellschaften entstanden zu sein. Es gibt keinen überzeugenden Beweis für Kannibalismus bei Homo erectus, Homo neanderthalensis oder beim modernen Homo sapiens vor Beginn der Landwirtschaft. Ich überlege noch, warum das so ist. Ich habe einen Aufsatz über das Thema geschrieben, und einer meiner Kollegen hat vorgeschlagen, dass es vielleicht daran liegt, dass Kannibalismus in kleinen, egalitären Gesellschaften mit engen sozialen Beziehungen kaum zum Vorteil des Überlebens der Gruppe beitragen kann. Es könnte auch daran liegen, dass sesshafte Gesellschaften eine schlechtere Nahrungsgrundlage haben als Jäger und Sammler. Sie leben ortsgebunden und haben daher weniger Auswahl an Essen. Die Ernährung der Azteken zum Beispiel soll sehr mangelhaft gewesen sein, mit besonders wenig Protein. Aber das sind sehr pragmatische Argumente, die nicht allgemein anerkannt sind, am ehesten noch unter Biologen.


Wissen Sie von einer Kultur, in der das Essen von Menschen kulinarischen Wert hatte? Wo Leute also tatsächlich am Geschmack interessiert waren oder Rezepte kursierten?

Ich glaube, das ist das Produkt einer überzogenen Phantasie, diese Idee vom „kannibalischen Festmahl“. Ich kennen keinerlei Beweise dafür. Am ehesten fallen mir noch die Hochland-Bewohner Neuguineas ein, die Begräbnis-Kannibalismus praktizierten und an der seltenen Krankheit Kuru litten. Sie bemerkten gegenüber einem westlichen Anthropologen, dass das Fleisch jener, die an Kuru litten, einen speziellen Geschmack hatte, den sie mochten. Ich kenne die Literatur zu den Chilifunden auf menschlichen Knochen in Mexiko, aber ich denke, da ging es eher um einen traditionellen, symbolischen Wert von Chili, der etwa auch dem Mais beigemessen wurde, als um Würze. Abgesehen von außergewöhnlichen Kriminalfällen wie dem Kannibalen von Rothenburg – wissen Sie von Gesellschaften, die heute noch Kannibalismus praktizieren? Nicht wirklich, und wer würde so etwas heute in dieser modernen Welt noch zugeben? Hin und wieder kommen Berichte aus Neuguinea oder dem Kongo, aber das sind normalerweise sensationsheischende Artikel in der Regenbogenpresse, und es ist schwer, da den Wahrheitsgehalt zu bestimmen.

Der Mensch in der Küche: Chili, Sago und andere Gewürze für Menschenfleisch

Hannah Priest war die Organisatorin der Kannibalismus-Konferenz. Sie hat einen Doktor in Englischer Literatur (Arbeitsgebiete mittelalterliche Literatur und Horror- und Monsterfilme) und unterrichtet an der Manchester Metropolitan University. Unter dem Namen Hannah Kate schreibt und veröffentlicht sie Gedichte und „Dark Fiction“.

 

Woher kommt Ihrer Meinung nach die Faszination von Kannibalismus oder Mordfällen, die Kannibalismus beinhalten?

Europa – speziell Westeuropa – hat eine lange, komplexe Geschichte mit Kanni-balismus. Es ist schwer zu sagen, was genau so faszinierend daran ist – vielleicht ist es eine seltsame Mischung aus Tabu und Lust. Wir machen Kannibalismus auf viele Arten zum Fetisch – wir vermischen es mit religiöser Doktrin (die Hostie), mit erotischen Euphemismen, die Art, wie wir unsere Liebe zu einem Kind ausdrücken („zum Fressen gern haben“), obwohl wir wissen, dass es grundfalsch ist. Das gibt ihm eine Art böse Anziehungskraft. Außerdem ist da ein ernsthafterer Grund zur Sorge: Wenn Menschen Menschen essen können, heißt das, dass wir auch nicht mehr sind als ein Stück Fleisch, so wie andere Tiere? Bereits vor Darwin gibt es eine Faszination für die Idee, dass die menschliche Überlegenheit und Besonderheit nur eine Illusion ist, und dass uns in Wirklichkeit nichts unterscheidet von den Tieren, die auf unseren Tellern landen.


Ab dem 16. Jahrhundert gibt es von europäischen Entdeckern zahllose Berichte über Kannibalismus. Wie verbreitet war Kannibalismus außerhalb Europas damals wirklich?

Wenn man den Berichten der Entdecker glaubt, sehr weit verbreitet – aber kann man ihnen glauben? Wenn man bedenkt, dass der Grund für diese Berichte oft war, Eroberung, Kolonisierung und manchmal Völkermord zu rechtfertigen, ist es nicht überraschend, dass die Einheimischen
so oft der schlimmsten Dinge bezichtigt werden. Das heißt nicht, dass Kannibalismus nicht praktiziert wurde, aber wir müssen sehr vorsichtig sein. Die Praxis, seine Feinde des Kannibalismus zu beschuldigen, ist eine sehr alte: Kreuzfahrende Ritter warfen ihren muslimischen Gegnern Kannibalismus vor, und bekamen umgekehrt die gleichen Vorwürfe, speziell während des dritten Kreuzzugs. Im Fall des Südpazifiks, vor allem der Cook-Inseln, ist klar und deutlich zu sehen, wie Kannibalismus benutzt wurde, um ein Bild von primitiven, furchterregenden Einheimischen zu verbreiten, das wiederum rechtfertigte, diese Einheimischen gewaltsam zu „zivilisieren“.


Wissen Sie von einer Kultur, in der das Essen von Menschen kulinarischen Wert hatte? Wo Leute also tatsächlich am Geschmack interessiert waren oder Rezepte kursierten?

Die meisten anthropologischen und archäologischen Studien zu Kannibalismus beschäftigen sich mit Kulturen, in denen wenige geschriebene Quellen existieren. Es ist daher oft schwer, zu wissen, wie genau Informationen von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden. Es gibt zweifellos anthropologische Beweise für traditionelle Praktiken (also wo das gleiche Verhalten in mehreren Generationen beobachtet wurde) für die Zubereitung menschlichen Fleisches. Die allgemeine Lehrmeinung ist aber, dass es sich dabei um rituelle und nicht kulinarische Praxen handelt. Im Fall der europäischen „Corpse Medicine“ gibt es einige Beweise für Rezepte, die kursierten, aber bei denen ging es darum, die Wirkung zu verstärken, und nicht um den Geschmack.


Wissen Sie von Fällen, in denen Menschen gewürzt wurden, bevor sie gegessen wurden?

Es gibt archäologische und anthropologische Beweise für verschiedene Arten der Behandlung. Das können andere Zutaten sein, die mit menschlichem Fleisch gemischt werden – es gibt zum Beispiel immer wiederkehrende Berichte, dass Mitglieder des Stammes der Asmat in Papua-Neuguinea menschliches Hirn mit Sago mischten, bevor sie es aßen. Im Begräbnis-Kannibalismus der Wari im Amazonas-Regenwald wurden das Herz und die Leber in Blätter gewickelt, bevor sie gegrillt wurden. Die Yanomani (ebenfalls Amazonas) aßen die Knochen von Verstorbenen, nachdem sie verbrannt und mit Kochbananen zu einer Suppe ver-rührt wurden. Aber genauso wie beim Chili in Mexiko ist es schwer zu sagen, ob diese Zutaten für rituelle oder kulinarische Zwecke benutzt wurden. Im Fall von Überlebens-Kannibalismus gibt es kaum Beweise für bestimmte Zubereitungen. Eine Ausnahme ist die Jamestown-Kolonie in Nordamerika. Forensische Untersuchungen der Knochen zeigen Spuren von vorsichtigem Zerlegen, und apokryphe Berichte aus der Zeit erzählen von Menschenfleisch, das gewürzt und mit Gemüse gekocht wurde. Akte von Kannibalismus, die von rienmördern begangen wurden, sind da ganz anders, da gibt es zahlreiche Beschreibungen von Zubereitungsarten. Für viele Leute ist das Schrecklichste an diesen Taten die Zubereitung und nicht das Verspeisen.

Die Kraft der Seele und das wohltuende Blut frisch Gehängter.

Richard Sugg ist Spezialist für mittelalterliche und frühneuzeit-liche englische Geschichte und forscht und lehrt an der Durham University in Großbritannien. Er hat sich ausgiebig mit dem Phänomen des medizinischen Kannibalismus in Europa befasst und mehrere Bücher darüber geschrieben – zuletzt das Standardwerk „Mummies, Cannibals and Vampires: The History of Corpse Medicine from the Renaissance to the Victorians“.

 

Sie beschreiben in Ihrem Buch ausführlich, dass Kannibalismus aus medizinischen Gründen in Europa jahrhundertelang weit verbreitet war. Heute ist die Idee, einen Menschen zu essen, eine der abstoßendsten Ideen überhaupt für Westler. Warum und wann hat sich da die Einstellung (plötzlich?) geändert?

Die Einstellung hat sich nach und nach verändert, etwa ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Gebildete Briten begannen, sich vor allem aus vier Gründen davon abzuwenden: 1. Eine geänderte Einstellung zum Ekel (disgust) – ein Wort, das sich bei Shakespeare nicht findet, in einer Zeit, als Menschen noch viel schwerer zu ekeln waren. Im 18. Jahrhundert wurde unter dem Konzept der „vornehmen Herkunft“ Stimmung gemacht für eine verfeinerte Empfindsamkeit beim Essen, für den Körper und die Körperhygiene. 2. Die Aufklärung und die generelle Einstellung zur Vergangenheit: ältere medizinische Praktiken wurden mit „den Tagen des Aberglaubens“ und der Unvernunft verbunden. 3. Frühe Versuche, die gerade entstehende medizinische Profession zu definieren und aufzuräumen. 4. Ein zunehmend entseelter menschlicher Körper. Während die Seele einst den gesamten Körper durchdrungen hatte, wurde sie nun nur mehr in einem kleinen Raum im Gehirn verortet, wenn sie denn überhaupt im Körper verortet wurde. Für viele war ein wesentlicher Bestandteil der Corpse Medicine, sich die Kraft der menschlichen Seele einzuverleiben. Ein Grund für den Niedergang des medizinischen Kannibalismus war also, dass es sich schlicht nicht mehr auszahlte, den Körper zu essen. Unter armen, ungebildeten Leuten hielt sich eine beschränkte, oft spontane Form der Corpse Medicine bis ins späte 19. Jahrhundert: in deutschen und skandinavischen Ländern etwa (gegen Epilepsie) gemahlene Schädelknochen oder frisches menschliches Blut, das normalerweise bei öffentlichen Hinrichtungen besorgt wurde.


Wurden menschliche Körperteile in manchen Gegenden Europas öfter gegessen als in anderen? Oder war die Corpse Medicine eine europaweite Praktik?

Es war relativ verbreitet in Frankreich und bekannt in Italien. Die spanischen Soldaten in der neuen Welt sollen das Fett der einheimischen „Indianer“ benutzt haben, um Verletzungen zu heilen. Allerdings: Corpse Medicine scheint in Nordeuropa deutlich weiter verbreitet gewesen zu sein und hat sich dort auch länger gehalten – in Großbritannien, Skandinavien, Österreich und Deutschland. Es wurde argumentiert, dass das unter anderem an dem speziellen nordeuropäischen Glauben vom Tod als schleichendem, graduellem Prozess lag. Weil die Seele nach dem offiziellen Tod noch etwas im Körper verweilte, konnte man sich ihre Kraft und Macht noch einverleiben, nachdem das bewusste Leben schon vorüber war.


Bezahlten Menschen den Henker für das Blut der Hingerichteten, oder war das eine Art Spende?

In Österreich und Deutschland wurde bezahlt. Der Henker hatte das Anrecht auf alle Körperteile eines Hingerichteten und galt als Heiler aller möglichen Wunden und Übel, etwa mit Bandagen, die in menschlichem Fett getränkt waren. Seine Diener gaben Tassen frischen Blutes aus an diejenigen, die dafür bezahlten. Die Kunden tranken das Blut oft so warm wie möglich (denken Sie an die verweilende Seele!) und rannten dann so schnell sie konnten oder ließen sich von Pferden ziehen. Das wurde wohl getan, um die Zirkulation des Blutes durch ihren Körper zu beschleunigen, und außerdem, um die potenziell gefährliche Menge an Energie zu verbrennen, die sie zu sich genommen hatten (medizinisch nüchterner betrachtet: die Leute konnten an einer Eisenvergiftung sterben). Anderswo waren die Praktiken unterschiedlich. In Florenz gibt es einen Bericht aus dem Jahr 1741, dass einem Gehenkten die Venen geöffnet wurden und sein Blut von einer wohltätigen Bruderschaft in Tassen gratis herumgereicht wurde. Aus Dänemark gibt es einen Bericht von der Hinrichtung des Räubers Olsen 1856. Nachdem er geköpft worden war, rannten zwei junge Mädchen zur Leiche, fingen das Blut in Tassen auf und tranken es. Als die Polizei sie deswegen anhielt, zeigten sie ein Papier vor, das besagte, dass Olsen ihnen dafür die Erlaubnis erteilt hatte. In der Zwischenzeit hatte sich – wegen der relativen Seltenheit von Hinrichtungen in Schweden – eine große Menschenmenge versammelt, die versuchte, an das Blut zu kommen, für medizinische und magische Zwecke. Erlaubt gewesen sein dürfte dieses Blutsammeln nicht: 1851 versuchten Soldaten, eine Menge von einem Geköpften fernzuhalten, 200 Menschen wurden bei dem Zusammenstoß schwer verletzt. 1866 warfen sich die Zuschauer einer Hinrichtung in Schweden zu Boden und versuchten, die blutgetränkte Erde zu essen. Es ist bemerkenswert, was für ein Licht solche Berichte auf die vermeintlich „zivilisierten“ Europäer werfen, die zur gleichen Zeit die angeblich so wilden Riten afrikanischer Völker verdammten.

Aja, der Geschmack. Wenn Sie bis hierher gelesen haben, interessiert Sie der wohl wirklich.

Dazu habe ich keinen Experten befragt. Ich habe es nicht gekostet und ich will auch nicht. Rein deduktiv würde ich sagen: am ehesten wie sehr altes Schwein. Der Geschmack eines Tieres hängt vor allem davon ab, was es frisst und was es für eine Darmflora hat, und wir Menschen sind, genau wie Schweine, Allesfresser.

 

Wem das zu hypothetisch ist: Im Internet, dem ja bekanntlich vor nichts graust, finden sich Berichte derjenigen, die es gekostet haben. Wie vertrauenswürdig jemand ist, der so was tut und dann über den Geschmack schreibt, müssen Sie selbst entscheiden.

 
 
Peter Schmid